🇮🇳 Indien – Tag 3: Auf den Spuren von Indiana Jones – und Schlafen könnt ihr zu Hause!
Von Delhi nach Jaipur: über Straßen, die manchmal gar keine sind, heilige Kühe mit Vorfahrt und einen Fahrer, der unsere Urlaubsplanung etwas anders interpretiert als wir.
5:30 Uhr – wer hat eigentlich Urlaub erfunden?
Es gibt Geräusche, die man im Urlaub einfach nicht hören möchte.
Eines davon ist der Wecker um 5:30 Uhr morgens.
Ja, richtig gelesen. FÜNF UHR DREISSIG!
Wir sind gerade einmal am dritten Tag unserer Indienreise und langsam beschleicht uns der Verdacht, dass wir bei der Buchung irgendwo das Kleingedruckte übersehen haben.
Stand da vielleicht „Erlebnisreise mit integriertem Schlafentzug“?
Gestern waren wir nach unserer ausgiebigen „Halbtagestour“ durch Delhi schon ziemlich erledigt. Heute geht es noch früher los.
Um 7 Uhr Frühstück, um 8 Uhr Abfahrt Richtung Jaipur.
Immerhin wissen wir nach dem gestrigen Frühstück inzwischen ungefähr, was uns am Buffet erwartet. Süß, würzig oder sehr würzig. Kaffee wäre allerdings auch nicht schlecht. Am besten intravenös.
Aber gut, wir wollen schließlich etwas von Indien sehen.
Schlafen können wir ja später. Dachten wir zumindest.
🚗 Delhi nach Jaipur – willkommen im Verkehrsabenteuer 2.0!
Pünktlich um 8 Uhr saßen wir im Auto und machten uns auf den Weg nach Jaipur, der berühmten Pink City.
Nachdem wir gestern bei unserer Rikschafahrt durch Old Delhi schon einiges erlebt hatten, glaubten wir, der indische Straßenverkehr könne uns nicht mehr überraschen.
Ein weiterer Irrtum auf dieser Reise.
Es war Wochenende.
Und offenbar hatte ganz Indien beschlossen, gleichzeitig mit uns nach Jaipur zu fahren.
Der Verkehr hatte sich gefühlt verdoppelt. Dabei hatten wir gestern schon den Eindruck, dass auf den Straßen eigentlich kein Platz mehr für zusätzliche Fahrzeuge sein könnte.
Aber wir lernen: In Indien ist immer noch Platz für ein weiteres Auto. Irgendwo.
Aus zwei Fahrspuren werden drei. Oder vier. Und wenn das immer noch nicht reicht, fährt man eben auf dem Gehweg.
Wobei wir das Wort „Gehweg“ hier etwas großzügig auslegen müssen.
Denn die Unterscheidung zwischen Straße und Gehweg ist nicht immer ganz einfach.
In Deutschland haben wir asphaltierte Straßen, Bordsteine, Gehwege und Fahrbahnmarkierungen.
Hier sah es auf vielen Abschnitten unserer Fahrt etwas anders aus.
Man stelle sich einen breiten Sandweg vor, der irgendwann einmal in der Mitte etwas Beton oder Asphalt abbekommen hat.
Fertig ist die Straße.
Rechts und links davon bleibt der Sand. Oder Staub. Oder eine Mischung aus beidem.
Und wo genau hört jetzt die Fahrbahn auf und beginnt der Gehweg?
Gute Frage!
Unsere Theorie: Das entscheidet sich spontan danach, wer gerade dort unterwegs ist.
Autos, Motorräder, Rikschas, Fußgänger – alle teilen sich den vorhandenen Platz.
Und manchmal steht dort eben auch ein Rind.
🐄 Menschen kann man anhupen. Kühe nicht!
Damit kommen wir zu einer weiteren Besonderheit des indischen Straßenverkehrs.
Den Kühen.
Während Menschen, Motorräder und Autos durch permanentes Hupen auf die eigene Anwesenheit aufmerksam gemacht werden, scheint das bei Rindviechern wenig erfolgversprechend zu sein.
Eine Kuh steht dort, wo sie eben steht.
Ob mitten auf dem Weg, am Straßenrand oder genau an der Stelle, an der unser Fahrer eigentlich entlangfahren wollte.
Das Tier interessiert sich herzlich wenig dafür.
Und während unser Fahrer bei anderen Verkehrsteilnehmern durchaus großzügig von der Hupe Gebrauch macht, wird um die Kuh eben herumgefahren.
Menschen kann man anhupen. Rindviecher nicht.
Wir finden, das ist eigentlich eine ziemlich klare Verkehrsregel. 😂
Überhaupt haben wir inzwischen den Eindruck, dass die Hupe hier ein wesentlich wichtigeres Bauteil ist als der Blinker.
Geblinkt wird gelegentlich.
Gehupt immer.
Und trotzdem scheint jeder irgendwie zu wissen, was zu tun ist.
Wir jedenfalls nicht.
Aber zum Glück sitzen wir nur auf der Rückbank.
🎬 Indiana Jones lässt grüßen!
Je näher wir Jaipur kamen, desto häufiger mussten wir an die alten Indiana-Jones-Filme denken.
Kennt ihr diese Szenen, in denen Indiana Jones durch staubige Straßen unterwegs ist, überall Menschen, Tiere, Fahrzeuge und scheinbar völliges Chaos herrschen?
Genau so fühlte es sich für uns stellenweise an.
Staubige Straßen, Häuser und kleine Geschäfte direkt am Wegesrand, Menschen, die zwischen den Fahrzeugen hindurchlaufen, Motorräder, Rikschas und immer wieder Kühe.
Dazu die Hitze, das ständige Hupen und dieser ganz besondere Eindruck, dass hier alles gleichzeitig passiert.
Man wartet eigentlich nur noch darauf, dass Harrison Ford mit seinem berühmten Hut um die Ecke kommt.
Fehlt nur noch die Filmmusik!
Und tatsächlich gibt es sogar eine Verbindung zwischen Jaipur und Indiana Jones: Für Indiana Jones und der Tempel des Todes war ursprünglich geplant, Teile des Films in der Region zu drehen. Daraus wurde allerdings nichts, und die Dreharbeiten fanden unter anderem in Sri Lanka statt.
Aber ganz unabhängig davon: Wir fühlten uns zwischendurch wirklich wie mitten in einer Filmszene.
Nur dass wir weder einen Hut noch eine Peitsche dabeihatten.
Und unser Fahrer zum Glück deutlich besser mit dem indischen Straßenverkehr zurechtkam als wir es jemals könnten.
Eine Pause mit ganz eigenem Rhythmus
Gegen 11:30 Uhr legten wir eine längere Pause ein.
Unser Fahrer ist Hindu und wollte die Gelegenheit nutzen, etwas zu essen und zu beten.
Für uns bedeutete das ungefähr eine Stunde Pause von der Fahrt.
Und die war durchaus willkommen.
Draußen herrschten inzwischen über 30 Grad, dazu eine ordentliche Portion Luftfeuchtigkeit und eine diesige Atmosphäre.
Obwohl die Klimaanlage im Auto fleißig arbeitete, war die Wärme deutlich zu spüren.
Gegen 12:30 Uhr ging es weiter.
Und natürlich blieb der Straßenverkehr spannend.
Unser Fahrer brachte uns schließlich gegen 15 Uhr sicher nach Jaipur.
Sieben Stunden nach unserer Abfahrt in Delhi.
🏨 Endlich im Hotel! Oder doch nicht?
Um 15 Uhr erreichten wir unser Hotel in Jaipur.
Jetzt erst einmal ankommen, einchecken, auspacken und vielleicht ein bisschen entspannen.
Schließlich waren wir seit 5:30 Uhr auf den Beinen.
Doch bevor wir uns allzu große Hoffnungen machen konnten, kam die nächste Ansage:
„Bitte um 17:15 Uhr wieder am Auto sein.“
Wie bitte?
Wir waren doch gerade erst angekommen!
Aber offenbar hatte unser Reiseprogramm noch einiges mit uns vor.
Also schnell aufs Zimmer, frisch duschen und wenigstens für einen kurzen Moment die Füße hochlegen.
Stefan schaffte tatsächlich noch einen kleinen Powernap.
Nicht lange, aber immerhin.
Man wird ja bescheiden.
Und pünktlich um 17:15 Uhr standen wir wieder am Auto.
Unser Fahrer wartete natürlich bereits.
Wir vermuten inzwischen, dass dieser Mann überhaupt keinen Schlaf braucht.
🛕 Ein weißer Tempel zum Sonnenuntergang
Unser erstes Ziel am Abend war ein wunderschöner weißer Hindu-Tempel.
Der Birla Mandir, auch als Laxmi-Narayan-Tempel bekannt, bot einen schönen Kontrast zu den staubigen Straßen und dem lebhaften Verkehr.
Besonders im Licht des späten Nachmittags wirkte der helle Tempel beeindruckend.
Wir legten einen Fotostopp ein und genossen für einen Moment den Anblick.
Natürlich nicht allzu lange.
Schließlich hatten wir noch Programm.
Und unser Fahrer hatte offensichtlich einen sehr genauen Zeitplan.
💎 Edelsteine, Glitzer und ein kleiner Gedächtnisaussetzer
Als Nächstes besuchten wir eine Edelsteinschleiferei.
Jaipur ist für seine Edelsteinverarbeitung bekannt, und hier bekamen wir einen Eindruck davon, wie aus den Steinen funkelnde Schmuckstücke werden.
Wirklich schöne Steine, teilweise sehr edel und beeindruckend verarbeitet.
Natürlich wurde uns auch einiges über die verschiedenen Edelsteine erklärt.
Unter anderem erfuhren wir, dass Stefans Geburtsstein der Turmalin sein soll.
Und Nicolette?
Tja.
Ihren Stein haben wir leider vergessen.
Man kann sich schließlich nicht alles merken.
Vor allem nicht, wenn man seit 5:30 Uhr wach ist und inzwischen gefühlt halb Rajasthan gesehen hat.
Wir hoffen, der Edelstein nimmt es uns nicht übel. 😂
💃 Dinner mit Tanz – und endlich mal Pommes!
Danach ging es quer durch Jaipur zum Abendessen mit Tanzvorführung.
Und das war wirklich sehenswert.
Unter anderem tanzten die Künstlerinnen mit Feuerschalen auf dem Kopf.
Ja, richtig gelesen.
Feuer. Auf dem Kopf. Und dabei tanzen!
Wir sind ja selbst begeisterte Tänzer, aber bei dieser Variante würden wir vermutlich lieber auf die Feuerschalen verzichten.
Besonders schön war, dass auch die Touristen zum Mitmachen eingeladen wurden.
Beim Essen wartete ein leckeres Buffet auf uns.
Natürlich wieder mit vielen indischen Gerichten.
Und natürlich wieder ordentlich spicy.
Inzwischen haben wir gelernt, dass „ein bisschen scharf“ in Indien eine ziemlich dehnbare Aussage sein kann.
Aber dann entdeckten wir etwas völlig Unerwartetes.
Pommes!
Und Nudeln!
Mal ehrlich: Wer fliegt nach Indien, um Pommes oder Nudeln zu essen?
Wir natürlich nicht.
Eigentlich.
Aber nach den vielen Reisgerichten der letzten Tage waren die Pommes plötzlich erstaunlich verlockend.
Und wir müssen zugeben: Sie waren richtig gut!
Manchmal sind es eben die kleinen Dinge im Leben.
Oder eine Portion Pommes. 🍟
🌃 Jaipur bei Nacht – wenn Stau zum Sightseeing wird
Nach dem Abendessen ging es zurück durch die Stadt.
Und jetzt zeigte sich Jaipur noch einmal von einer ganz anderen Seite.
Die Pink City war wunderschön beleuchtet.
Die historischen Fassaden und Gebäude wirkten im Abendlicht und mit ihrer Beleuchtung besonders eindrucksvoll.
Wir hätten gerne angehalten, wären ausgestiegen und hätten uns alles in Ruhe angeschaut.
Aber das war leider nicht vorgesehen.
Außerdem herrschte an vielen Stellen absolutes Halte- beziehungsweise Parkverbot.
Schade eigentlich.
Doch dann entdeckten wir einen unerwarteten Vorteil des indischen Straßenverkehrs.
Stau!
Ja, tatsächlich.
Zum ersten Mal auf dieser Reise freuten wir uns über einen Stau.
Denn wenn das Auto sowieso nicht weiterfahren kann, hat man plötzlich jede Menge Zeit, sich umzusehen.
Und das völlig legal.
Parken verboten.
Im Stau stehen erlaubt.
Also genossen wir die beleuchtete Stadt eben vom Auto aus.
Sightseeing auf indische Art.
Wir fanden es großartig.
🍹 Ein Absacker über den Dächern von Jaipur
Zurück im Hotel war der Tag aber noch nicht ganz vorbei.
Nach all den Eindrücken wollten wir uns wenigstens noch einen gemütlichen Abschluss gönnen.
Also ging es hinauf auf die Rooftop-Bar.
Und die hatte wirklich etwas zu bieten.
Von dort oben hatten wir einen fantastischen, fast vollständigen Rundumblick über Jaipur.
Unter uns die Lichter der Stadt, in der Ferne das nächtliche Jaipur und endlich einmal die Gelegenheit, ganz entspannt zu sitzen.
Ohne Hupe.
Ohne Gedränge.
Ohne Zeitplan.
Einfach ein Getränk genießen und die Erlebnisse des Tages Revue passieren lassen.
Das war nach diesem langen Tag genau das Richtige.
Gegen 23 Uhr ging es schließlich ins Bett.
Endlich!
⏰ Schlafen könnt ihr zu Hause!
Vorher musste allerdings noch eine wichtige Frage geklärt werden.
Wann geht es morgen weiter?
Unser Fahrer erklärte uns ganz selbstverständlich, dass er uns um 8 Uhr wieder abholen würde.
Um acht.
Schon wieder.
Nicolette versuchte vorsichtig zu verhandeln.
Schließlich gibt es Frühstück im Hotel erst ab 7 Uhr.
Und vielleicht könnten wir ja morgen ein kleines bisschen länger schlafen?
Nur ein bisschen.
Wir verlangen schließlich nicht, bis mittags im Bett zu bleiben.
Unser Fahrer hörte sich das an.
Und antwortete völlig trocken:
„Ihr habt keine zehn Tage für Indien. Schlafen könnt ihr zu Hause. Also bis morgen um 8!“
Bumm.
Das saß.
Diskussion beendet. 😂
Wir mussten lachen.
Denn irgendwie hat er ja recht.
Wir sind schließlich hier, um Indien zu entdecken.
Und nicht, um die Matratzenqualität sämtlicher Hotels zu testen.
Trotzdem hätten wir gegen eine Stunde mehr Schlaf inzwischen wirklich nichts einzuwenden.
Aber unser Fahrer sieht das offensichtlich anders.
Und so wie wir ihn inzwischen kennengelernt haben, wird er morgen um Punkt 8 Uhr am Auto stehen.
Wahrscheinlich ausgeschlafen.
Wahrscheinlich gut gelaunt.
Und vermutlich wieder mit einem Programm, das locker für zwei Tage reichen würde.
Unser Fazit nach Tag 3
Heute haben wir wieder unglaublich viel erlebt.
Eine lange Fahrt durch einen Straßenverkehr, der unsere Vorstellung von Ordnung und Fahrspuren ordentlich durcheinandergebracht hat.
Kühe mit eingebauter Vorfahrt, staubige Straßen wie aus einem Abenteuerfilm, Temperaturen über 30 Grad, einen wunderschönen Tempel, funkelnde Edelsteine, Tänze mit Feuer und eine abendliche Stadt, die uns selbst aus dem Stau heraus begeistert hat.
Und zum Abschluss noch ein wunderbarer Blick über Jaipur.
Indien ist anstrengend. Laut. Heiß. Manchmal chaotisch.
Aber vor allem ist es unglaublich faszinierend.
Und unser Fahrer? Der hat uns heute wohl die wichtigste Regel dieser Reise beigebracht:
Schlafen könnt ihr zu Hause! 😂
Na dann.
Gute Nacht aus Jaipur.
Der Wecker wartet schon.
Two Burgers Served Worldwide 🍔🌍
