🇮🇳 Indien – Tag 4: Maharadschas, Elefanten und ein Wecker ohne Erbarmen
Oder: Wie wir Jaipur erkundeten, Nicolette zur Künstlerin wurde und wir tatsächlich einmal vor dem Abendessen Feierabend hatten.
8 Uhr. Natürlich. Was sonst?
Inzwischen könnten wir unsere Uhr danach stellen.
Nicht nach dem Sonnenaufgang. Nicht nach dem Frühstück.
Nach unserem Fahrer.
Punkt 8 Uhr steht er bereit.
Nachdem er uns gestern unmissverständlich erklärt hatte, dass man zu Hause schlafen könne, wagten wir heute auch keine Diskussion mehr.
Also früh aufstehen, schnell frühstücken und los.
Das Frühstück fiel diesmal etwas kürzer aus. Aber wir sind schließlich nicht zum Urlaubmachen hier.
Moment mal …
Eigentlich schon.
Aber das scheint unserem Reiseprogramm niemand mitgeteilt zu haben. 😂
Unterwegs sammelten wir unseren heutigen Guide ein und starteten zu einer Entdeckungstour durch Jaipur.
🚗 Jaipur im Festtagsmodus
Schon bei unserer Fahrt durch die Stadt fiel auf, dass einiges anders war als am Vortag.
Überall wurde vorbereitet, geschmückt und organisiert.
Jaipur bereitete sich auf ein neuntägiges religiöses Fest zu Ehren einer hinduistischen Göttin vor. Welches Fest es genau war, müssen wir noch herausfinden.
Viele Straßen waren deshalb gesperrt, andere nur eingeschränkt befahrbar.
Für unseren Fahrer bedeutete das zusätzliche Umwege.
Für uns? Noch mehr Gelegenheit, aus dem Fenster zu schauen.
Und ehrlich gesagt war es im klimatisierten Auto durchaus angenehm.
Draußen wieder Wärme, Staub, Menschen, Rikschas, Motorräder und das inzwischen vertraute Hupkonzert.
Drinnen zwei Burgers, die versuchten, wenigstens ein bisschen den Überblick zu behalten.
Jaipur hatte offensichtlich beschlossen, uns heute nicht auf direktem Weg irgendwohin fahren zu lassen.
📸 Panna Meena ka Kund – Treppensteigen für Fortgeschrittene
Bevor wir das berühmte Amber Fort besuchten, machten wir einen Fotostopp am Panna Meena ka Kund, einem historischen Stufenbrunnen unterhalb der Festungsanlage.
Und der sieht wirklich außergewöhnlich aus!
Unzählige Treppen verlaufen in geometrischen Mustern hinunter zum Wasser. Von oben betrachtet wirkt das Ganze fast wie ein riesiges dreidimensionales Puzzle.
Man fragt sich unwillkürlich: Wer hat sich das ausgedacht? Und vor allem: Wie findet man da wieder hinaus? 😂
Früher dienten solche Brunnen der Wasserversorgung. Durch die vielen Stufen konnte man das Wasser auch bei unterschiedlichen Wasserständen erreichen.
Heute ist der Brunnen vor allem ein beeindruckendes Fotomotiv.
Wir haben uns allerdings auf das Fotografieren beschränkt.
Schließlich lag das Amber Fort noch vor uns.
Und das hatte garantiert genügend Treppen für einen ganzen Urlaub! 🏰
🏰 Amber Fort – hier wurde nicht gekleckert!
Nach unserem Fotostopp am Stufenbrunnen ging es mit dem Auto weiter zum beeindruckenden Amber Fort, auch Amer Fort genannt.
Und beeindruckend ist tatsächlich das richtige Wort.
Schon beim Anblick dieser gewaltigen Festungsanlage wurde uns klar, dass die früheren Herrscher von Jaipur offenbar nicht besonders bescheiden gewohnt haben.
Hoch über der Umgebung erhebt sich die Anlage mit ihren Mauern, Innenhöfen, Toren und Palastgebäuden.
Und dahinter die Hügel von Rajasthan.
Ein fantastischer Anblick!
Unser Guide führte uns durch die Anlage und erklärte uns vieles über die Geschichte, die Architektur und das Leben der damaligen Herrscher.
Es ist schon faszinierend, wie aufwendig diese Gebäude gestaltet wurden.
Überall Verzierungen, kunstvolle Details und immer wieder neue Ausblicke.
Man könnte hier wahrscheinlich Stunden verbringen und würde trotzdem noch etwas entdecken.
Und wir?
Wir liefen, staunten, fotografierten und versuchten, uns möglichst viel von den Erklärungen zu merken.
Was angesichts der vielen Namen, Jahreszahlen und Maharadschas nicht ganz einfach war.
Zum Glück gibt es Fotos.
Die vergessen wenigstens nichts. 📸
📸 Der Palast der Winde – Fenster ohne Ende
Bei unserer Rundfahrt durfte natürlich auch eines der bekanntesten Wahrzeichen Jaipurs nicht fehlen:
Der Hawa Mahal, besser bekannt als Palast der Winde.
Mit seiner auffälligen Fassade und den unzähligen kleinen Fenstern ist er wirklich ein Hingucker.
Unser Guide erklärte uns, dass die Frauen des königlichen Hofes von dort aus das Leben auf der Straße beobachten konnten, ohne selbst gesehen zu werden.
Im Grunde also eine Art historischer Logenplatz.
Nur ohne Fernseher und Fernbedienung.
Wir legten einen Fotostopp ein und bewunderten die ungewöhnliche Architektur.
Jaipur hat wirklich ein Talent dafür, einen immer wieder mit neuen Gebäuden zu überraschen.
👑 Im Stadtpalast – Familiengeschichte für Fortgeschrittene
Zurück in Jaipur ging es wegen der Festvorbereitungen und Straßensperrungen zu Fuß weiter.
Unser nächstes Ziel war der City Palace, der Stadtpalast von Jaipur.
Und dort wurde es königlich.
Unser Guide erzählte uns von den verschiedenen Maharadschas, die Jaipur über Generationen geprägt haben.
Dabei ging es natürlich nicht nur um prächtige Paläste, sondern auch um Familiengeschichte.
Und die kann bei königlichen Familien bekanntlich etwas kompliziert werden.
Besonders interessant fanden wir die Geschichte von Sawai Man Singh II., der nicht nur Maharadscha war, sondern auch als begeisterter und erfolgreicher Polospieler bekannt wurde.
Ein Maharadscha auf dem Polopferd.
Das hat schon etwas.
Noch spannender wurde es bei der heutigen königlichen Familie.
Der junge Padmanabh Singh, Jahrgang 1998 und zum Zeitpunkt unserer Reise 28 Jahre alt, ist heute das repräsentative Oberhaupt der ehemaligen Königsfamilie von Jaipur.
Die Nachfolge verlief nicht einfach vom Vater auf den Sohn. Padmanabh Singh wurde von seinem Großvater Bhawani Singh als Nachfolger bestimmt und adoptiert, da dieser keinen Sohn hatte.
Man merkt schnell: Bei den Maharadschas reicht ein einfacher Stammbaum nicht immer aus.
Da braucht man fast schon ein eigenes Organigramm.
Und wir dachten, unsere Familiengeschichte wäre manchmal kompliziert. 😂
🎨 Nicolette und die Kunst mit dem Streifenhörnchen
Im Zusammenhang mit unserem Palastbesuch gab es dann noch eine ganz besondere Begegnung mit indischem Kunsthandwerk.
Nicolette bekam ein Bild gemalt – und zwar mit einem außergewöhnlich feinen Pinsel.
Nach der Erklärung vor Ort bestand dieser aus Haaren eines Streifenhörnchens.
Damit lassen sich offenbar besonders feine Linien und Details gestalten.
Wir schauten fasziniert zu, wie mit viel Geduld und ruhiger Hand ein kleines Kunstwerk entstand.
Schon erstaunlich, welche Präzision mit solch einem feinen Pinsel möglich ist.
Für uns wäre das wahrscheinlich nichts.
Bei Stefans ruhiger Hand nach dem fünften Kaffee würde aus einem Elefanten vermutlich eher ein unbekanntes Fabelwesen werden.
Aber dazu später mehr.
🔭 Jantar Mantar – Astronomie ohne App
Direkt weiter ging es zum Jantar Mantar, dem berühmten astronomischen Observatorium von Jaipur.
Und das war wirklich beeindruckend.
Hier stehen riesige historische Messinstrumente, mit denen unter anderem Zeit und Positionen von Himmelskörpern bestimmt werden konnten.
Ganz ohne Strom.
Ganz ohne Satelliten.
Und vor allem ganz ohne Smartphone.
Wir standen vor diesen gewaltigen Konstruktionen und ließen uns erklären, wie sie funktionieren.
Sonnenuhren, Winkelmessungen und astronomische Berechnungen – alles mit erstaunlicher Präzision.
Wenn man bedenkt, dass die Anlage im 18. Jahrhundert entstand, ist das wirklich bemerkenswert.
Wir waren jedenfalls beeindruckt.
Auch wenn wir zugeben müssen, dass wir nicht jede technische Erklärung vollständig behalten haben.
Aber das macht nichts.
Wir wissen jetzt zumindest, dass die Menschen schon vor Jahrhunderten ziemlich genau wussten, wie spät es war.
Wir brauchen dafür eine Smartwatch.
Und selbst die hilft uns nicht dabei, morgens länger schlafen zu dürfen. 😂
🛺 Mit der Rikscha zurück – diesmal mit Motor
Nachdem wir uns zu Fuß durch die Stadt bewegt hatten, ging es mit einer motorisierten Rikscha zurück zu unserem Auto.
Ein weiteres kleines Verkehrsabenteuer.
Inzwischen sind wir ja fast schon alte Hasen im indischen Straßenverkehr.
Fast.
Wir haben jedenfalls gelernt, dass man sich am besten zurücklehnt, dem Fahrer vertraut und nicht ständig darüber nachdenkt, wie knapp das gerade wieder war.
Denn irgendwie passt es immer.
Meistens jedenfalls.
💎 Schmuck, Stoffe und ein selbst gedruckter Elefant
Natürlich durfte auch heute eine kleine Shoppingtour nicht fehlen.
Zunächst ging es um Schmuck.
Nach unserem Besuch in der Edelsteinschleiferei am Vortag hatten wir bereits einen Eindruck davon bekommen, welche Rolle Edelsteine und Schmuck in Jaipur spielen.
Aber diesmal wartete noch etwas anderes auf uns.
Traditioneller Stoffdruck!
Wir bekamen gezeigt, wie mit Druckstöcken Muster auf Stoffe aufgebracht werden.
Eine alte Handwerkstechnik, bei der die Muster Stück für Stück aufgedruckt werden.
Und dann durfte Nicolette selbst ran.
Ihr Motiv?
Ein Elefant! 🐘
Also Druckstock nehmen, Farbe auftragen und den Elefanten auf den Stoff drucken.
Und siehe da: Es funktionierte!
Nicolette hatte ihren eigenen Elefanten gedruckt.
Ob daraus jetzt eine neue Karriere als Textildesignerin wird, bleibt abzuwarten.
Aber immerhin können wir sagen, dass wir in Jaipur nicht nur etwas gekauft, sondern auch selbst etwas gestaltet haben.
Und natürlich schauten wir uns auch die wunderschönen bedruckten Tücher an.
Man muss schließlich die heimische Wirtschaft unterstützen.
So nennen wir das jetzt einfach mal. 😂
🌶️ Mittagessen – gut, aber bitte mit Feuerlöscher
Zwischendurch ging es zum Mittagessen in ein Lokal.
Und das Essen war wirklich gut.
Allerdings wieder einmal ordentlich scharf.
Inzwischen wissen wir: Wenn in Indien etwas würzig ist, sollte man sich vorsichtshalber auf einiges einstellen.
Unsere Geschmacksknospen haben auf dieser Reise jedenfalls schon mehr Abenteuer erlebt als in den letzten Monaten zu Hause.
Aber wir wollten schließlich die indische Küche kennenlernen.
Und die gehört definitiv zu den Erlebnissen, die uns in Erinnerung bleiben werden.
🏨 17:30 Uhr – tatsächlich Feierabend!
Nach den vielen Sehenswürdigkeiten, Erklärungen, Eindrücken und Shoppingstopps waren wir schließlich ziemlich erledigt.
Gegen 17:30 Uhr erreichten wir wieder unser Hotel.
Und dann kam die große Überraschung:
Es war nichts mehr geplant!
Kein Tempel.
Kein Palast.
Keine weitere Shoppingtour.
Kein Fahrer, der uns in einer Stunde wieder am Auto erwartete.
Einfach Freizeit.
Wir mussten uns erst einmal daran erinnern, wie das eigentlich funktioniert.
Vielleicht hinsetzen?
Vielleicht die Füße hochlegen?
Vielleicht einfach mal nichts tun?
Eine völlig neue Erfahrung auf dieser Reise. 😂
Und tatsächlich war diese Pause auch nötig.
Denn morgen verlassen wir Jaipur und fahren weiter nach Agra.
Unterwegs stehen noch zwei Stopps auf dem Programm.
Das klingt nach einem weiteren langen Tag.
Und wann fahren wir morgen los?
Eigentlich müssten wir die Frage inzwischen gar nicht mehr stellen.
Wir kennen die Antwort ja bereits.
8 Uhr.
Natürlich.
Unser Fahrer bleibt sich treu.
Und wir haben inzwischen verstanden, dass sein Satz vom Vortag nicht nur ein Scherz war.
„Ihr habt keine zehn Tage für Indien. Schlafen könnt ihr zu Hause.“
Offenbar ist das tatsächlich sein Reiseprogramm.
Wir überlegen langsam, ob wir ihm zum Abschied einen Wecker schenken sollen.
Obwohl …
Wahrscheinlich braucht er gar keinen.
Unser Fazit nach Tag 4
Jaipur hat uns heute noch einmal von einer ganz anderen Seite begeistert.
Die beeindruckende Festungsanlage von Amber, der Palast der Winde, der Stufenbrunnen, die Geschichten der Maharadschas und die faszinierenden astronomischen Instrumente des Jantar Mantar.
Dazu traditionelles Kunsthandwerk, ein gemaltes Bild, ein selbst gedruckter Elefant und natürlich wieder jede Menge Eindrücke vom indischen Alltag.
Und ganz nebenbei haben wir gelernt, dass selbst ein voller Tagesplan noch Platz für Umleitungen, Rikschafahrten und Shopping bietet.
Jaipur, du bist laut, bunt, geschichtsträchtig und manchmal ganz schön anstrengend. Aber du hast uns begeistert!
Morgen geht es weiter nach Agra.
Und irgendwann, ganz bestimmt, werden wir auch wieder ausschlafen.
Spätestens zu Hause. 😂
Two Burgers Served Worldwide 🍔🌍
