Über Abu Dhabi ins Unbekannte

von BurgerTour | Juni 18, 2026 | Bali

Über Abu Dhabi ins Unbekannte

Eigentlich sollte unsere Reise nach Bali ganz klassisch beginnen: morgens mit dem Zug nach Frankfurt, zum Flughafen und los. Da die Deutsche Bahn und wir in den vergangenen Jahren allerdings ein etwas angespanntes Vertrauensverhältnis entwickelt hatten und wir außerdem zum ersten Mal vom neuen Terminal 3 fliegen sollten, entschieden wir uns für die entspanntere Variante. Wir erklärten unseren Urlaub einfach einen Tag früher für eröffnet.

Unsere Tochter Johanna brachte uns nach Frankfurt und wir übernachteten im IntercityHotel in Flughafennähe. Damit konnte am nächsten Morgen eigentlich nichts mehr schiefgehen.

Zumindest theoretisch.

Urlaub beginnt manchmal am Getränkeautomaten

Nach dem Einchecken stellte sich zunächst die wichtige Frage, wo wir etwas essen könnten. Rund um das Hotel war die Auswahl eher übersichtlich – eigentlich gab es gar keine. Dafür hatte das Hotel einen Getränkeautomaten, dessen Preise bereits ein wenig Flughafenfeeling aufkommen ließen.

Also liefen wir noch etwas durch die Gegend und entdeckten dabei etwas, das wir bisher tatsächlich nie gesehen hatten: das Luftbrückendenkmal in Frankfurt. Das Gegenstück in Berlin kannten wir schon, sogar zweimal. Aber Frankfurt? Nie. Wann macht man auch schon Kultur in der Heimat?

Leider war das Gelände bereits geschlossen, sodass uns nur der Blick durch den Zaun blieb. Anschließend gingen wir zurück zum Hotel und schafften es gerade noch rechtzeitig an die Bar. Damit war der erste Urlaubstag gerettet.

[BILD: Hotel / Luftbrückendenkmal / erster Abend in Frankfurt]

Terminal 3 – irgendwo da vorne

Am nächsten Morgen hätten wir den kostenpflichtigen Shuttle zum Flughafen nehmen können. Aber auf der Karte sah Terminal 3 gar nicht weit entfernt aus. Also beschlossen wir zu laufen.

Dabei stellten wir ziemlich schnell fest, dass „in der Nähe eines Flughafens“ nicht zwangsläufig bedeutet, dass jemand vorgesehen hat, dort auch zu Fuß unterwegs zu sein. Unser Weg führte an Baustellen vorbei und teilweise durch Bereiche, bei denen wir uns nicht immer ganz sicher waren, ob Fußgänger hier überhaupt eingeplant waren. Aber irgendwann standen wir tatsächlich vor Terminal 3.

Drinnen war alles groß, modern und neu. Unser Gepäck konnten wir selbst am Automaten aufgeben, und auch die Sicherheitskontrolle funktionierte erfreulich unkompliziert. Vorher hatten wir allerdings noch ein kleines Problem: Wir hatten zwei oder drei Liter Getränke dabei, die wir nicht mit durch die Kontrolle nehmen konnten. Wegschütten wollten wir sie natürlich auch nicht.

Also tranken wir.

Danach ging es durch die Sicherheitskontrolle, bei der erstaunlich wenig ausgepackt werden musste. Auch mein CPAP-Gerät interessierte niemanden besonders. Und anschließend gab es endlich Kaffee.

Jetzt konnte es wirklich losgehen.

Zum ersten Mal mit einer arabischen Airline

Für uns war es der erste Flug mit einer arabischen Fluggesellschaft, und entsprechend neugierig waren wir. Schon an Bord gab es Dinge, die wir so bisher nicht kannten. Die Informationen wurden auf Englisch und Arabisch angezeigt, auf dem Bildschirm konnte man die Richtung nach Mekka sehen und auch die Gebetszeiten wurden angezeigt.

Beim Essen hatten wir vorab vegetarische beziehungsweise vegane Sondermenüs bestellt. Nicht weil wir Vegetarier oder Veganer sind, sondern weil wir gerne unterschiedliche Dinge ausprobieren. Statt einfach beide das gleiche Standardessen zu nehmen, hatten wir so etwas Abwechslung – und auf diesem Flug funktionierte das ausgesprochen gut.

Weniger gut funktionierte für uns die Versorgung mit Getränken. Wir bekamen deutlich weniger zu trinken, als wir es von anderen Langstreckenflügen gewohnt waren. Zum Essen bekam ich auch ein Glas Wein. Als ich später noch einen Schluck wollte, erntete ich von der Stewardess allerdings einen ziemlich strafenden Blick. Vielleicht interpretierte ich auch zu viel hinein, aber in diesem Moment dachte ich durchaus daran, dass wir mit einer arabischen Airline unterwegs waren und Alkohol in muslimisch geprägten Ländern teilweise ganz anders gehandhabt wird als bei uns.

Also beließ ich es bei diesem einen Glas.

[BILD: Flugzeug / Borddisplay / Essen]

Abu Dhabi – heiß, riesig und ein Nicolette-Moment

Als wir uns Abu Dhabi näherten, änderte sich die Landschaft unter uns komplett. Alles wurde braun, trocken und karg. Schon von außen wirkte der Flughafen spektakulär, mit seinen Formen fast wie riesige Dünen. Innen war er mindestens genauso beeindruckend: riesig, modern und mit endlosen Wegen und Rollbändern. Und obwohl wir uns in klimatisierten Räumen bewegten, war uns durchaus bewusst, dass draußen Temperaturen von über 40 Grad herrschten.

Für den Weiterflug mussten wir noch einmal durch eine komplette Sicherheitskontrolle. Und dort wurde es interessant.

Irgendetwas an mir piepte. Also legte ich ab, was eben abzulegen war. Es piepte weiter. Noch einmal. Immer noch. Irgendwann war nicht mehr besonders viel übrig, was die Ursache hätte sein können. Eine komplett verschleierte Mitarbeiterin kam für die weitere Kontrolle dazu und ich sagte – mehr als Feststellung denn mit irgendeiner bösen Absicht:

„Eigentlich kann es nur noch mein BH sein.“

Das fand sie überhaupt nicht lustig. Sie machte mir ziemlich deutlich klar, dass ich so etwas nicht zu einem Mann sagen solle. Das interessiere ihn nicht.

Stimmt. Ich hatte in diesem Moment nur irgendwie vergessen, wo ich gerade war.

Reden. Dann denken. Ein klassischer Nicolette-Moment.

Immerhin stand anschließend fest, dass ich keine Waffe im BH versteckt hatte.

Galeries Lafayette, indisches Essen und drei Bier

Nach der Sicherheitskontrolle hatten wir endlich Zeit, uns den Flughafen etwas genauer anzusehen. Mit den vielen Geschäften, Düften, Kosmetik- und Luxusartikeln fühlte ich mich ein wenig an die Galeries Lafayette erinnert – nur dass wir uns eben mitten auf einem Flughafen in Abu Dhabi befanden.

Vor allem fühlten wir uns inzwischen ziemlich dehydriert. Auf dem ersten Flug hatten wir für unser Empfinden einfach viel zu wenig zu trinken bekommen. Bei unserer Runde durch den Flughafen entdeckten wir dann ein indisches Restaurant, das uns neugierig machte. Wir bestellten zwei unterschiedliche Gerichte und teilten beide, damit wir auch beide probieren konnten.

Dass es dort Bier gab, war eher Zufall – aber ein durchaus netter Nebeneffekt. Nach dem strafenden Blick der Stewardess im Flugzeug hatten wir damit nicht unbedingt gerechnet. Noch mehr überraschte uns allerdings das Angebot: Zwei Bier kaufen, das dritte gratis.

Ausgerechnet in Abu Dhabi.

Damit hatten wir nun wirklich nicht gerechnet.

[BILD: Abu Dhabi Airport / indisches Essen]

Irgendwo über dem Äquator

Der Weiterflug nach Bali begann weniger pünktlich. Erst standen wir lange beim Boarding, dann saßen wir noch eine ganze Weile im Flugzeug, bevor es tatsächlich losging. Vor uns lagen noch einmal rund neun Stunden – und für uns etwas Besonderes: Wir würden zum ersten Mal in unserem Leben den Äquator überqueren.

Natürlich wollte ich wissen, wann es so weit war. Leider funktionierte ausgerechnet mein Bildschirm nicht richtig. Damit fiel unsere erste Äquatorüberquerung etwas unspektakulärer aus als gedacht. Irgendwo da unten muss er gewesen sein.

Der Flug war zwischendurch ziemlich unruhig. Irgendwann waren wir aber einfach nur noch müde und wollten ankommen.

Und dann tauchte Bali unter uns auf.

Zum ersten Mal Bali

Schon beim Anflug sah alles anders aus. Selbst der Flughafen erinnerte mit seinen Dächern und Formen eher an eine Tempelanlage als an das, was wir von Flughäfen kannten. Jetzt waren wir tatsächlich in Asien. Zum ersten Mal.

Unsere riesige und voll besetzte Maschine parkte draußen, und mit Bussen ging es zum Terminal. Nach der Einreise warteten wir am Gepäckband auf unsere Koffer. Dort tauchte ein Mann auf, der uns zunächst ganz selbstverständlich mit dem Gepäck half. Aus dieser kleinen Hilfe wurde schnell mehr. Er zeigte uns, wo wir entlangmussten, half uns auf dem Weg durch den Zoll und lotste uns weiter durch den Flughafen.

Für uns war das in diesem Moment ausgesprochen praktisch. Wir waren gerade zum ersten Mal auf Bali gelandet und hatten noch keine Ahnung, wie hier alles funktionierte.

Der Mann zeigte uns anschließend noch, welche Geldautomaten wir benutzen konnten, und fragte, ob wir eine SIM-Karte benötigten. Die hatten wir bereits in Deutschland besorgt und waren damit schon online. Schließlich ging es mit unseren Koffern nach draußen.

Irgendwo dort sollte der deutschsprachige Guide auf uns warten, den wir für unsere Reise gebucht hatten. Wer das sein würde, wussten wir nicht.

Dann trafen wir Gde.

Er begrüßte uns tatsächlich auf Deutsch, half uns mit dem Gepäck und erklärte uns zunächst, dass der Mann, der uns durch den Flughafen begleitet hatte, für seine Hilfe ein Trinkgeld erwarten würde. Das war vollkommen in Ordnung – geholfen hatte er uns schließlich wirklich.

Dann wurden die Koffer eingeladen und wir fuhren los.

Die ersten Kilometer auf Bali

Linksverkehr, unzählige Roller, Menschen, Farben – und plötzlich gab es für uns überall etwas zu sehen. Die Fahrt führte über eine große Schnellstraße, durch Denpasar und weiter in Richtung Ubud. Nach den vielen Stunden in Flugzeugen war ich gleichzeitig müde und vollkommen geflasht von all den neuen Eindrücken.

Besonders auffällig waren die hohen, kunstvoll geschmückten Bambusstangen, die sich überall über die Straßen bogen. Wir hatten keine Ahnung, was sie bedeuteten, und fragten unseren gerade erst kennengelernten Guide.

So bekamen wir schon auf der ersten Fahrt unsere erste kleine Unterrichtsstunde über Bali. Wir waren kurz nach Galungan angekommen, und Gde erklärte uns, dass die hohen geschmückten Bambusstangen Penjor heißen und zu dieser Zeit vor Häusern und entlang der Straßen aufgestellt werden.

[BILD: erste Fahrt Richtung Ubud / Penjor]

Plötzlich ergab zumindest ein kleiner Teil von dem, was wir draußen sahen, etwas mehr Sinn.

Viel wussten wir zu diesem Zeitpunkt über Bali trotzdem noch nicht.

Aber wir waren da.

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