Der direkte Weg nach Hause wird überbewertet

von Nicolette Burger | Aug. 2, 2026 | Netherlands

Nach drei erlebnisreichen Tagen hieß es am Sonntagmorgen Abschied nehmen. Nach einem letzten ausgiebigen Frühstück packten wir unsere Sachen ins Auto und verabschiedeten uns von unseren Gastgebern. Die Verständigung funktionierte wieder mit einer Mischung aus wenigen gemeinsamen Worten, Händen, Füßen und Übersetzungs-App – inzwischen waren wir darin ja schon ganz geübt.

Ganz so endgültig sollte der Abschied aber nicht sein. Stefan und ich versprachen, irgendwann noch einmal wiederzukommen. Dann vielleicht mit den Fahrrädern, denn die Gegend rund um die Lek ist dafür einfach ideal.

Danach sollte es eigentlich Richtung Heimat gehen.

Eigentlich.

Erst einmal nach Gouda

Bevor wir die Niederlande endgültig verlassen konnten, hatten wir noch zwei Dinge zu erledigen: Wir besaßen noch einige Pfandflaschen – und eindeutig zu wenig Käse.

Also führte uns der erste Weg nach Gouda.

Auch dort beschäftigte uns zunächst das inzwischen wohlbekannte Thema Parken. Da wir aber keinen längeren Aufenthalt geplant hatten, ließ sich das Problem diesmal relativ schnell lösen.

Für die Pfandflaschen stand natürlich sofort wieder Albert Heijn im Raum. Der hatte uns schließlich das ganze Wochenende zuverlässig begleitet und sich fast unbemerkt zu einer festen Größe unserer Reise entwickelt.

Direkt neben unserem Parkplatz gab es allerdings einen SPAR.

Und diesmal legte ich mein Veto ein.

So sehr wir Albert Heijn inzwischen auch zu schätzen gelernt hatten – für ein paar Pfandflaschen wollte ich nicht noch einmal quer durch eine Stadt laufen. Schließlich ist Pfand Pfand.

Also wurden die Flaschen bei SPAR abgegeben.

Sorry, Albert. Hier trennten sich vorerst unsere Wege. 😉

Danach ging es zur Gouda Cheese Experience. Das eigentliche Museum ließen wir aus, denn wir wollten ja schließlich noch nach Hause. Aber für Käseverkostung, Souvenirs und natürlich den Kauf von Gouda war noch genügend Zeit.

Mit ordentlich Käse im Gepäck verließen wir schließlich die Niederlande.

Ab jetzt ging es direkt nach Hause.

Dachten wir.

Ein kleiner Umweg für die besten Pommes Belgiens

Zunächst brauchte unser Auto noch Strom. Kurz hinter der Grenze wollten wir deshalb einen Ladestopp einlegen, was sich im Dreiländereck überraschend kompliziert gestaltete. Die Beschilderung sorgte zeitweise dafür, dass wir nicht mehr so ganz sicher waren, in welchem Land wir uns gerade befanden und in welches wir eigentlich fahren sollten.

Irgendwann waren Auto und Fahrer wieder ausreichend orientiert und wir hätten problemlos Richtung Heimat weiterfahren können.

Allerdings gab es da noch diese belgischen Pommes.

Uns wurde von einem Imbiss vorgeschwärmt, bei dem es wirklich richtig gute belgische Pommes geben sollte. Und wenn man schon einmal in der Gegend ist, kann man so etwas natürlich mitnehmen.

Dass „in der Gegend“ in diesem Fall einen Umweg von knapp 100 Kilometern bedeutete, machte uns zumindest neugierig genug, die Sache auszuprobieren.

Also auf nach Belgien.

Nach ziemlich vielen Kilometern kamen wir tatsächlich am Ziel an und stellten fest:

Der Laden war geschlossen.
Nicht nur an diesem Sonntag.
Dauerhaft.

Da fährt man knapp 100 Kilometer für belgische Pommes nach Belgien und bekommt am Ende keine belgischen Pommes. Irgendwie passte das erstaunlich gut zu unserem Wochenende. 😄

Inzwischen hatten wir allerdings wirklich Hunger und fanden zum Glück einen Dönerladen in der Nähe.

Die nächste Überraschung wartete bei der Bestellung. Mit Türkisch kamen wir dort nicht besonders weit, dafür sprach der Besitzer Französisch. Das wiederum war für mich kein Problem und so wechselten wir kurzerhand die Sprache.

Wenig später saßen wir also in Belgien und aßen Döner auf Französisch bestellt, obwohl wir eigentlich wegen Pommes gekommen waren.

Und er schmeckte.

Außerdem war er deutlich günstiger als das, was wir in den Tagen zuvor in den Niederlanden bezahlt hatten. Unser Umweg hatte damit zwar weiterhin keine belgischen Pommes hervorgebracht, aber immerhin ein ziemlich gutes Mittagessen.

Wenn wir schon einmal hier sind …

Nun hätte wirklich nichts mehr dagegen gesprochen, nach Hause zu fahren.

Außer vielleicht Luxemburg.

Wenn man ohnehin schon durch Belgien fährt, liegt ein Abstecher dorthin schließlich irgendwie nahe. Zumindest wenn man Kaffee und Tabak einkaufen möchte.

Also führte unsere mittlerweile nur noch sehr großzügig als „Heimfahrt“ zu bezeichnende Route weiter quer durch Belgien nach Luxemburg.

Günstiges Benzin konnten wir dort getrost ignorieren. Unser Elektroauto zeigte keinerlei Interesse daran, wie viel der Liter kostete.

Dafür wurde beim Kaffee zugeschlagen. Unser Begleiter besorgte sich unter anderem Tabak und Instantkaffee – und Stefan und ich verließen den Laden mit stolzen zehn Kilogramm Kaffee.

Bevor jetzt jemand falsche Schlüsse zieht: Nein, wir trinken nicht jeden Morgen eine Kanne pro Person. Ein großer Teil war für Freunde und Familie bestimmt.

Aber wenn man schon über Luxemburg nach Hause fährt, soll sich der Umweg schließlich auch lohnen.

Und jetzt wirklich nach Hause

Der direkte Weg nach hause ....

Nach Gouda, einem etwas verwirrenden Ladestopp im Dreiländereck, knapp 100 Kilometern für nicht vorhandene belgische Pommes, einem französisch bestellten Döner und zehn Kilogramm Kaffee aus Luxemburg gab es tatsächlich keinen weiteren Grund mehr, irgendwo abzubiegen.

Jetzt ging es nach Hause.

Wirklich.

Gegen 21 Uhr kamen wir schließlich ziemlich müde wieder an. Aus einer einfachen Heimfahrt war ein kompletter zusätzlicher Reisetag geworden, der uns durch mehrere Länder geführt hatte und ganz anders verlaufen war, als wir morgens beim Frühstück gedacht hatten.

Aber irgendwie war gerade das ein ziemlich passender Abschluss für unser Wochenende.

Wir waren mit vielen Plänen in die Niederlande gefahren und hatten unterwegs immer wieder festgestellt, dass die besten Geschichten oft genau dann entstehen, wenn diese Pläne nicht ganz funktionieren.

Und so kamen wir mit Käse, zehn Kilogramm Kaffee und einer weiteren Geschichte für unsere Sammlung nach Hause.

Belgische Pommes hatten wir zwar keine bekommen.

Aber vielleicht braucht man ja auch einen Grund, noch einmal hinzufahren. 😉